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Gedankenverloren.

  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Wenn Gedanken schwer werden, kippt der Alltag leise. Nicht laut, nicht dramatisch, nur spürbar. Genau dort beginnt das Hinschauen.


Manchmal sitzt der Blick irgendwo weit hinten am Horizont. Ohne Ziel. Ohne Absicht. Einfach dort, wo er nichts erklären muss. Der Körper fühlt sich müde an, als hätte er die letzten Wochen in sich gespeichert wie zu schwere Einkäufe, die man noch immer trägt. Der Kopf macht mit, aber eher widerwillig. Voll. Träge. Überladen. Gedanken tauchen auf: unklar, verschwommen, unlogisch. Sie verschwinden und komme wieder. Dasselbe Thema, nur anders gewürzt. Je länger sie im Kopf umherirren, desto schwerer liegen sie im Magen. Der Alltag bleibt derselbe, nur fühlt er sich plötzlich an wie eine viel zu dicke Decke: warm, aber erdrückend. Kleine Dinge, die sonst nebenbei gelingen, werden zu Stolpersteinen. Ein Post-it vergessen. Eine Mail halb geschrieben. Eine Aufgabe angefangen, aber irgendwo zwischen Gedanke und Müdigkeit steckengeblieben. Nichts Dramatisches, aber jedes Mal ein winziger Stich. Und dann passiert etwas Merkwürdiges: Nicht die Welt verändert sich, sondern ihre Schattierungen. Alles wirkt dunkler. Dichter. unfreundlicher. Nicht feindlich, aber fremd. Als ob die Realität einen Filter bekommen hätte, den niemand bestellt hat. Man weiss, dass es nur ein Gefühl ist. Und trotzdem fühlt es sich echt an. Da ist dieser Punkt, an dem es kippt. Kein Knall, kein Signal. Nur ein Moment, in dem der Gedanke nicht mehr einfach schwer ist, sondern zieht. Langsam, stetig, wie ein Sog, der weder laut noch böse sein muss, um Wirkung zu haben. Genau diesen Punkt zu erkennen, ist schwierig. Er ist still. Unauffällig. Doch er ist da. Und vielleicht beginnt genau hier etwas Wichtiges: nicht das grosse Aufstehen, nicht das heldenhafte Kämpfen. Einfach ein Wahrnehmen. Ein ehrliches Hinschauen. Denn wer spürt, dass es kippt, hat nicht verloren. Er hat bemerkt, dass etwas Gewicht bekommen hat. Und wer Gewicht bemerkt, kann entscheiden, wohin es gelegt wird. Nicht heute vielleicht. Nicht sofort. Aber irgendwann. Bis dahin: atmen. Einen Moment lang nichts müssen. Und den Blick zurückholen, Stück für Stück, bis er wieder ankommt. Nicht in der Ferne, sondern hier. Inmitten des Alltags, der noch derselbe ist. Nur wartet. Geduldig. Bis man wieder etwas leichter wird.

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