Mensch Mann.
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Zwischen Bromance und Männerfreundschaft: Wie wir Männlichkeit und Beziehungen im Jahr 2026 neu definieren.

Ich bin männlich.
Ein Cis-Mann. Pronomen he/him.
Ich bin Partner. Ein Freund. Kumpel.
Seltener bin ich "Bro" oder "Alter".
Ich bin Leiter. Verantwortlicher.
Delegierter. Mitglied.
Ich bin Mann.
Unter dem Strich bin ich vor allem eines: Ganz viel Mensch. Die Erwartungshaltungen von Gesellschaft und dem persönlichen Umfeld sind grundsätzlich im Allgemeinen vielschichtig. Wohl auch, weil ich in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Rollen einnehme. Das Rollenverständnis als Mann verändert sich gerade im Wesentlichen. Die Welt ist im Wandel, mit ihr wandelt sich auch das Bild des Mannes. Denken wir zurück an den Marlboro Man. Eine fiktive Werbefigur. Sie war der Inbegriff von Männlichkeit, Kraft und vermittelte den unabhängigen Lebensstil. Heute gilt die Figur als überholt, machohaft und stark klischiert. In der Gesellschaft wird immer wieder danach gerungen, was die Männerrolle im Jahr 2025 sein soll. Wie Männer in anderen Generationen diese Debatten erleben, kann ich nicht beschreiben. Vielmehr möchte ich meine Sicht als Generation Y-ler, die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit verfolgt, darlegen. Die Generation Y hat eine besondere Beziehung zu Identität und Selbstfindung, weil wir in einer Zeit aufgewachsen sind, in der althergebrachte Normen infrage gestellt wurden. Wir erlebten den Übergang von einer klar definierten Geschlechterhierarchie zu einer Ära der Flexibilität. Was bedeutet es also im Jahr 2025 ein Mann zu sein? Vielleicht ist es weniger eine fixe Definition und mehr ein ständiges Aushandeln. Die Gesellschaft fordert uns auf, weicher zu sein, während sie uns zugleich vorwirft, an Stärke zu verlieren. Wir sollen empathisch sein, aber bitte nicht zu verletzlich. Wir sollen Führungsstärke zeigen, aber bloss nicht dominant wirken. Zwischen all diesen Anforderungen fühlt es sich manchmal an, als würde Männlichkeit wie Sand zwischen den Fingern zerrinnen – kaum greifbar, ständig in Bewegung.
Beim Verfassen dieses Beitrags kam ich an einen Punkt, an dem ich mich fragte, welchen Einfluss das neue Rollenverständnis in Bezug auf Männerfreundschaften hat. Die Männerfreundschaft ist ebenfalls im stetigen Wandel. Mal wird sie gefeiert. Dann gilt ist als toxisches Gefäss. Dann wieder wird sie gehypt. Dann werden Männer als Softies abgetan, die über Gefühle sprechen. #OMG! In diesem Zusammenhang möchte ich gerne auf den Begriff Bromance eingehen. Bromance definiert eine enge, platonische Freundschaft zwischen zwei Männern, die von tiefer Verbundenheit, Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern "bro" (Kurzform für "brother", also Bruder) und "romance" zusammen. Die Bromance basiert meist auf gemeinsamen Interessen, Leidenschaften oder Lebenserfahrungen. Häufig wird dabei die Verbindung zweier Männer durch gemeinsamen Humor und scherzhaften Neckereinen ergänzt. In einer Bromance teilen die Männer oft ihre Gefühle, Ängste und Gedanken miteinander, was in traditionellen Männerfreundschaften nicht immer selbstverständlich ist. Es ist also mehr als eine reine Freundschaft zwischen zwei Kumpels. Vielleicht ist es auch Wortklauberei. Freundschaft und Bromance könnten allgemein betrachtet das Gleiche meinen. Denn, für viele inkludiert eine Freundschaft der erwähnte Umgang miteinander und die erwähnten Eigenschaften einer Bromance. Eine Bromance geht für mich jedenfalls über die "normale" Freundschaft hinaus. Möglicherweise ist die Unterscheidung, das Labeln von Freundschaften etwas, dass es mir erlaubt, Beziehungen für mich als Mann besser zu verstehen, oder zu definieren. Welche Rolle nehme ich in einer Freundschaft ein? In einer Bromance? Als Kumpel? Es ist zwar ohnehin schon fürchterlich kompliziert geworden, welche Beziehungsformen wie benannt werden und wie sie sich charakterisieren. Das Rollenverständnis ist stark kontextabhängig. Und vielleicht widerspreche ich mich auch darin, dass ich meine Rolle als Mann versuche zu definieren, denn zeitgleich definiere ich die Beziehungsrolle meines Gegenübers. Es kommt einem Tanz gleich, in dem körperliche wie auch emotionale Nähe und Distanz immer wieder ausgehandelt und erlebt werden. Dennoch hinterfrage ich mich beim Definieren der Freundschaften, welche Rolle ich in welcher Form einnehmen soll. Beim Schreiben dieses Textes stellte ich mir nämlich eine bestimmte Person - einen Mann - im geistigen Auge vor. Wir pflegen aus meiner Sicht eine Bromance. Dieses Selbstverständnis war zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes nicht transparent. Das Label Bromance habe ich für mich definiert. Und damit auch den vermeintlichen Beziehungsstatus. Was aber denkt er über unsere Beziehung? Wie soll ich damit umgehen, dass die Beziehung nicht definiert ist? Was braucht es? Innerlich fühlte ich mich dazumal aufgewühlt. Irgendwie fühlte ich mich genauso orientierungslos, unsicher und aufgeregt wie dazumal, als ich vor rund zehn Jahren die Partnerschaft einging, wenn ich daran denke mit ihm über den "Beziehungsstatus" zu sprechen. Möglicherweise ist es die Sehnsucht nach Sicherheit, die mir in einer Männerfreundschaft so wichtig ist. Vielleicht sind es Verlustängste und die Sorge daran, dass sich Beziehungen immer wieder verändern. Vielleicht ist es mir deshalb so wichtig, nebst der Partnerschaft, einen Mann, einen "sicheren Hafen" zu wissen, der da ist und alle Höhen und Tiefen gemeinsam mit mir durchlebt. Denn in einer Bromance finden Themen einen Platz, die in einer Partnerschaft nicht zwingend vertieft werden können, oder sollen. Auch ist es so, dass in einer Bromance, wie in der Definition beschrieben, vielfach gleiche Interessen dazu führen, dass eine Verbindung zwischen zwei Männern eine enge Vertrautheit ausmachen. Die verbindenden Elemente in einer Bromance sind etwas anderes, etwas Zusätzliches, als diejenigen, die mit dem eigenen Partner oder der Partnerin das unsichtbare Band einer Paarbeziehung darstellen. Abschliessend möchte ich die Idee der Bromance in ihrer allgemeinsten Form betrachten und auf eine zentrale Essenz reduzieren. Dabei komme ich zum Schluss, dass eine wahrhaft tief verbundene Freundschaft sich darin zeigt, dass ich mit meiner Bromance Zeit verbringen kann, in der wir schweigend nebeneinander sitzen – ohne dass es sich unangenehm oder unpassend anfühlt.
Ein weiterer Gedankengang: Was ist mit der Liebe in Beziehungen – nicht ausschliesslich in einer Paarbeziehung, sondern auch in Beziehungen innerhalb von Männerfreundschaften? In einer Bromance? In dieser Hinsicht halte ich mich ganz an die Worte von Martin Suter, dem Bestsellerautor. Auf die Frage nach der Definition seiner Freundschaft mit dem Chansonnier Stephan Eicher antwortete er wie folgt: "Natürlich ist es Liebe. Es gibt verschiedene Arten und Formen von Liebe. Und deshalb ist unsere Freundschaft zwischen Stephan und mir auch eine Form der Liebe." Doch was bedeutet Liebe wirklich, wenn sie über romantische Kontexte hinausgeht? Die antike Philosophie unterschied bereits zwischen Eros, der sinnlichen Liebe, und Philia, der freundschaftlichen Zuneigung. Aristoteles betonte, dass wahre Freundschaft auf Tugend basieren muss und ein gegenseitiges Wohlwollen voraussetzt. In einer Bromance zeigt sich, dass Liebe auch ohne romantische oder sexuelle Dimension eine essenzielle Kraft sein kann, die das menschliche Dasein bereichert. Sie ist ein Ausdruck der tiefen Verbundenheit und des Verstehens. Vielleicht ist diese Art von Liebe sogar die ehrlichste, weil sie nicht an Erwartungen gebunden ist, sondern allein aus dem gemeinsamen Sein erwächst.
Wie ist nun aber die abschliessende Definition von Männerfreundschaften? Und wie lautet sie für mich als Mann? Nun vielleicht sollte ich aufhören nach einer endgültigen Definition zu suchen. Weder für mich als Mann noch für die Beziehungen, die ich pflege. Die Freiheit liegt höchstwahrscheinlich im Unfertigen, im Unklaren, in der Möglichkeit, Rollen nicht als Korsett, sondern als Spielplätze zu sehen. Und am Ende ist es wohl egal, wie wir etwas nennen, solange wir uns in unseren Beziehungen verstanden und verbunden fühlen. Möglicherweise liegt die Antwort darin, dass wir als Gesellschaft und Individuen nicht länger versuchen, Männlichkeit zu definieren, sondern sie zu leben – individuell, facettenreich und unperfekt. Männlichkeit im Jahr 2025 ist keine Statue aus Stein, die für alle gleich aussieht. Sie ist für mich ein Kaleidoskop, das sich dreht und mit jeder Bewegung neue Muster offenbart. Am Ende bleibt die Frage: Wer bin ich als Mann? Vielleicht bin ich nicht „der Mann“, sondern einfach nur ich. Und das sollte doch reichen.



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