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Zweifel.

vor 10 Minuten
3 Min. Lesezeit

Manchmal weiss ich nicht, ob ich meinem eigenen Gefühl oder den Erwartungen anderer folgen soll. Zwischen meiner Realität und den Wahrnehmungen der anderen verliere ich mich manchmal selbst. Vielleicht muss ich Zweifel nicht lösen, sondern einfach aushalten.



Ich zweifle gerade. Nicht an allem. Aber an vielem. An Entscheidungen. An Erwartungen. An dem, was ich will. Und manchmal auch daran, ob das, was ich fühle, überhaupt zu dem passt, was mein Leben gerade von mir verlangt. Lange dachte ich, Zweifel seien etwas, das man überwinden muss. Eine Art Zwischenzustand. Man zweifelt, denkt nach, entscheidet sich und geht weiter. So zumindest die Vorstellung. Heute glaube ich, dass es nicht ganz so einfach ist.


Zweifel dürfen sein. Vielleicht sind sie sogar ein Zeichen dafür, dass man sich selbst noch zuhört. Und manchmal ist genau das anstrengend. Denn da sind die eigenen Vorstellungen. Das Leben, das man sich ausgemalt hat. Die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen. Und gleichzeitig sind da die Erwartungen der anderen. Erwartungen, die ausgesprochen werden. Und solche, die man nur zu spüren glaubt. Manchmal weiss ich nicht mehr genau, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Ich habe meine Realität. Meine Erinnerungen, meine Erfahrungen, meine Gedanken. Ich sehe die Welt durch meine Geschichte. Andere Menschen tun dasselbe. Sie haben ihre Realität, ihre Erfahrungen, ihre Verletzungen, ihre Hoffnungen. Und plötzlich können zwei Menschen dieselbe Situation erleben und trotzdem etwas völlig anderes daraus mitnehmen. Wer hat dann recht? Vielleicht beide. Vielleicht gibt es gar nicht die eine Realität, sondern nur unterschiedliche Blicke auf dieselbe Welt. Dieser Gedanke beruhigt mich manchmal. Und manchmal macht er mich noch unsicherer. Denn wenn jeder seine eigene Realität mit sich herumträgt, wie viel von dem, was andere über mich denken, hat dann überhaupt mit mir zu tun? Und wie viel davon erzählt eigentlich nur etwas über den Menschen, der mich betrachtet?


Ich merke, wie sehr mich diese Fragen beschäftigen. Ich bin hin und her gerissen zwischen dem, was ich möchte, und dem, was ich glaube, tun zu müssen. Zwischen meinem eigenen Anspruch und dem Anspruch, den ich von aussen wahrnehme. Zwischen dem Wunsch, einfach zu sein, und dem Gefühl, funktionieren zu müssen. Und daraus entstehen diese melancholischen Momente. Diese seltsamen Augenblicke, in denen ich gleichzeitig lachen und heulen könnte. Nicht unbedingt, weil etwas Schlimmes passiert ist. Vielleicht gerade deshalb, weil eigentlich vieles gut ist. Ich habe einen Beruf, der mich fordert. Menschen, die mir wichtig sind. Familie. Freunde. Verpflichtungen. Dinge, die getan werden müssen. Dinge, die ich gerne tue. Und trotzdem merke ich gerade, dass meine Energie für das Leben ausserhalb davon ziemlich aufgebraucht ist. Für all das, was keinen Zweck erfüllen muss. Für einen Abend, an dem nichts geplant ist. Für einen Gedanken, der nicht produktiv sein muss. Für ein Buch, das ich nicht lesen muss. Für einen Spaziergang, der nirgendwohin führt.


Vielleicht fehlt mir gerade nicht mehr Zeit. Vielleicht fehlt mir Raum. Raum, in dem ich nicht leisten muss. Nicht entscheiden. Nicht erklären. Nicht Erwartungen erfüllen. Raum, in dem ich einfach zweifeln darf. Vielleicht müssen nicht alle Zweifel beantwortet werden. Vielleicht müssen manche Fragen eine Weile offen bleiben. Ich weiss gerade nicht auf jede Frage eine Antwort. Und vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Vielleicht bedeutet Erwachsensein nicht, irgendwann keine Zweifel mehr zu haben. Vielleicht bedeutet es vielmehr, mit ihnen leben zu können. Sie anzuschauen, ohne sofort vor ihnen davonzulaufen. Und manchmal vielleicht einfach zu sagen: Ich weiss es gerade nicht. Und das darf sein.

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